Alexa Rademacher 1991 in der Galerie Walzinger, Saarlois

"Eine Sicht der Dinge, die nicht befremdet, ist falsch"

Jürgen Reichert 1991 in der Galerie Walzinger, Saarlois

 

 

Obiges Zitat begleitete Jürgen Reichert vor gut drei Jahren im Rahmen einer Ausstellung in der Berliner Galerie Karo. Ob es auch als Leitgedanke seiner neuesten Werke Geltung haben kann, ist fraglich.

Im Vorübergehen: Große, oftmals quadratische Formate. Zunächst monochromatisch wirkende Malflächen, die ihre blühende, nie aber grelle Leuchtkraft aus der Farbe selbst gewinnen. Sicher, die Irritation wächst im Herantreten: Da schweben etwa, sparsam eingebracht, lasierende Einmalungen in leuchtendem Blau und Gelb vor und hinter einer Flut transparenten Kadmiumrots. Dier Farbe hält sich durch verschwimmende Randzonen in einem spannungsvollen Zustand, ergänzt sich zu neuen Klängen. Die Sehlust wird zu eigenständigen Raummeditationen angeregt; dem Auge eröffnen sich neue Sehwege.

Reichert, Jahrgang 1953, sieht sich dem Informel nahe, wie auch farbmodulierendem Colour-Painting im Sinne eines Mark Rothko. Spontanität ist Bestandteil des Malprozesses, aber jedes Bild dokumentiert auf je eigenem Wege seine nachdenkliche Entstehungsgenese.

Viele der Bildwerke entstehen, indem die Leinwand, flach auf dem Boden liegend umwandert wird. Zufallsfaktoren wie Farbennasen werden dabei weitesgehend ausgeschlossen.

Die Ausdehung der zu bewältigenden Vierecke verlangt immer neue Varianten bei der Handhabung von Pinsel, Rolle oder Bürste, mit denen Reichert einer allzu persönlichen Handschrift bewußt das Handwerk legt.

In seinen Bildern hat sich die Farbe emanzipiert, läßt sich nicht bevormunden durch auszufüllende Formengrenzen. Farbräume assoziieren atmosphärische Befindlichkeiten ohne Zwang zur Dechiffrierung.

Auch eine leise Reminiszenz an Vorbilder wie Monet, Cezannne und Matisse klingt in manchen dieser Zeugnisse stattgehabter Malvorgänge an.

Saarländische Kunstfreunde haben bereits zum vierten Male Gelegenheit, Reicherts Kunst zu begegnen.

Seine neuen Bilder befremden dieses Mal weniger durch innovatives Experiment- wer sich aber in sie versenkt, dem können sich ganz neue Erkenntniswelten auftun.

Alexa Rademacher, 1991

Zuletzt aktualisiert am 16.10.2015 von Jürgen Reichert.

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